Kurzer Abstecher in die Schweiz
oder
Meine musikalische Rundreisebegleitung
(mit Musikschnipseln zum Anklicken)
Montag
Gerade in diesem Augenblick befinde ich mich an einem hochromantischem Ort.
Etwa 100 Kilometer in die Schweiz hinein. Es ist 20 Minuten vor eins – in der Nacht.
Ich bin heute Morgen aus der Nachtschicht gekommen und am späten Nachmittag ins Ländle gestartet, um meinen Isi Skila bei Petra in Haemikon abzuholen.
Da mir 900 km am Stück zu anstrengend sind, habe ich mir für die Nacht ein Quartier in der JuHe in Ritterswil am Zürichsee gebucht.
Zuhause sehr spät weggekommen, hat sich die Fahrt bis weit in die Nacht hineingezogen.
Na ja, die Dame der Rezeption war so nett, mir den Schlüssel zu hinterlegen und mit Code an der Haustür war die Ankunft kein Problem.
Die Fahrt an sich war mehr oder weniger chaotisch, welch ein Wochenbeginn.
Beim Programmieren des Navis stellte ich fest – äh, gar keine Schweizer-Karte drauf.
Holland runtergeschmissen, Frankreich auch, nur ein Gb Platz.
War natürlich fatal, meine Hinfahrt ging quer durch La France. Gut, kann ja lesen und da ich auf dem Rückweg eine andere Route (Welpenbesuch) nehmen wollte, musste ich Kompromisse machen.
Saarland, kurzer Abstecher durch die Pfalz und über Bitche in Richtung Vogesen.
Gute Stimmung mit meinen singenden Krähen, den Counting Crows.
Hinter Strassburg kurze Rast, damit die Hunde mal ein Ründchen drehen konnten und ich an der Raststätte nachsehen konnte, ob es irgendwo eine SD-Karte für die Kamera zu kaufen gibt !!!!
Alarm, ich unterwegs und kann keine Bilder machen. Weil Speicherkarte vergessen....
Hier marschieren die Störche auf dem Rastplatz rum wie bei uns daheim die Hühner..... Aus der Not heraus mal ein Handy-Photo gemacht.
Dies bedurfte wieder gut-Wetter-machen, Krähenmusik.... Blue Buildings....
Mittlerweile dunkelt es schon, Zeit für was anderes.
Im Gepäck Craig David, das richtige für Kuschelstunden und laut und falsch mitsingen.
... in front of me stood a beautiful honey with a beautyful body... nee, von mir singt er nicht, aber er erzählt ganz nett, was die beiden so getan bzw nicht getan haben....
Hinten aus dem Schäfermobil entnervtes gestöhne. Wusste gar nicht, das singen Hunde ärgert :-) Egal, sie konnten ja nicht flüchten...
Wäh, die Schweiz hat mich ganz schön gezwiebelt.
Beim Grenzübertritt – in guter Stimmung mit Craig - erstmal Vignette besorgt, 30 Euronen, Tages- oder Wochenpickerl gibt es hier nicht.
Na ja, wer mich kennt, kann sich vorstellen, was die armen Gendarmen sich anhören mussten. Aber Hut ab, sie nahmen mein Geknotter mit Humor und wünschten mir auch noch eine gute Fahrt. (Ich befürchtete schon, sie würden die Pistole ziehen und mich in den Bulles stecken :-)
Weiter mit den Krähen, die schlechte Laune bekämpfen (Rain King, zum 6. mal ? :-)
Ich glaube, die halbe Schweiz ist untertunnelt. Ein Scheiss-Gefühl, durch eine kilometerlange Röhre zu fahren mit Millionen Tonnen Gestein überm Haupt.
Machte mir unangenehme Gänsehaut. brrr
Nächster Übelpunkt: Luzern.
Geht doch die Hauptverkehrsader quer durch die Stadt. War der reinste Horror. Es war ja spät am Abend und kein Betrieb. Während die normalen Tagesverkehrs möchte ich da nicht durchgurken müssen. Dann parallel fahren mit der Strassenbahn. Mir brach der Schweiss eins ums andere mal aus.
Nun musste auch andere Musik her. Zwischendurch dudelte Craig wieder und säuselte nun .... follow me to my beedroom ....this´ll be a nigth you won´t forget...
Ja, mein lieber Craig, Versprechungen machen und dann keine Adresse hinterlassen .. ..
Nee, also dann was flotteres mit einem richtigen Mann, ein Cowboy sollte die perfekte Untermalung für die Restfahrt bieten. Stetson, Sunnyboy-Lächeln und flottes Banjo-Gedudel lässt mich gedanklich im Sonnenuntergang Lasso schwingend durch die Praerie gallopieren, um den Abend dann mit einem kühlen Bier und Garth Brooks in einem Saloon ausklingen zu lassen.
..Cause I ve got friends in low places Where the whiskey drowns ...think I´ll slip on down the oasis..oh, I ve got friends in low places..
Bei "...the thunder rolls" und tiefschwarzer Nacht nun bildliches Vorstellen dieses knackigen braungebrannten Kerls auf weissen Laken im Blitzlicht des Gewitters....
Keine Gedanken für alleinreisende Frauenzimmer ....
Zum Glück endlich das Ziel erreicht....
23.30 Uhr, Gepäck auf s Zimmer und durch die Nachtschicht nicht wirklich müde. Surfen im Net ist auch nicht, Horrorpreise.
Mit den Hunden habe ich schon eine Runde am Wasser gedreht (hab ein Zimmer mit Seeblick!) und sitze nun mit Spike und Lukka (sicherlich verbotenerweise) vorm Haus in einem vor Anker liegenden Tretboot, um diese Zeilen zu schreiben. Um mich herum nur das Plätschern des Wassers, Enten, die nach Fischen tauchen, Spike, mein Herzbube liegt mir gegenüber am Steg und bewacht mein Tun :-).
Wenn ich morgen gut aus den Federn komme (was ich ein wenig bezweifel) versuch ich eine kleine Laufrunde vor´m Frühstueck zu drehen. Wann hab ich mal die Gelegenheit, am Wasser zu joggen ? Außerdem hab ich die ganze Fahrt ein Stress-Fress veranstaltet, so daß mich ein wenig das schlechte Gewissen piekt.
Aber andererseits sind es noch 50 km zu Petra, dort werden wir bestimmt ausgiebig quasseln und ich will abends noch zu meinem VHS-Kurs :-)
So, es ist halb zwei, ich werde durch das Geschaukel ein wenig seekrank. Ausserdem wird es jetzt kalt am Wasser, so daß ich mit meinem Louis kuscheln gehe.
Schaun mer mal, was der Dienstag bringt :-)
Zur Nacht was Kleines noch zum Einschlafen
von Garth.
Dienstag
Um 6.30 bimmelt der Wecker. Natürlich war ich nicht laufen, lieber nochmal einringeln und eine erfrischende Dusche nach nur 4 Stunden Schlaf....
Louis zusammenwickeln, Gepäck ins Auto, Hunderunde gedreht, Frühstück.
Liebe Mitarbeiter der Juhe: Euer Kaffee ist echt grauselig !
Selbst mit 2/3 Milch und viel Zucker war das Gebräu nicht runterzuwürgen. Alternativ O´Saft genommen.
Nun wäre ich ja gerne auf dem direkten Weg zu Petra gefahren, wenn ich nur aus dem Baustellengewirr wieder rausgekommen wäre.
Schnell wieder Krähen, Wennen aan September, vom letzten Album. Melodisches holländisch-englisches Duett mit Blof.
Ich muss mich an dieser Stelle gleich mal korrigieren: die Hälfte der Schweiz ist untertunnelt, 1/3 Baustelle und 1/3 gigantisches Panorama. (für die Erbsenzähler: ich weiss, das sind 110 % :-)
Unterwegs nach Haemikon noch einen Versuch gestartet, eine SD-Karte zu erwerben.
Pustekuchen, die Schweizer brauchen anscheinend keine Dinge zum Leben oder Nahrungsmittel.
Die auf der Strecke liegenden Gewerbegebiete bestehen aus Automobilverkaufsstellen.
Nicht so einfache Quetschen, wie ich eine fahre, sondern nur Nobelmarken a la BMW, Porsche, Jeep und Hummer.....
Hier mal ein ein Gedenkwort an mein gutes Dieselchen: Mit 321 000 km auf der Karosserie schnurrt er wie ein alter Kater.....
Ich könnte heulen: vor mir erscheint, noch ein wenig in diesige Wolken gehüllt, das gigantische Bergmassiv mit der Zugspitze. Von den ersten Sonnenstrahlen erhellt, strahlen die grauen Riesen in einem zarten orange-rosa mit weissen Spitzen vor grau-blauem Himmel. Es bereitet mir körperlichen Schmerz, es nicht bildlich festhalten zu können....
Serpentinen führen mich – in Country-Gesellschaft mit Alan Jackson - den Berg hinauf zum Ziel. ..A joung boy two hands on the wheel. I can t replace the way it made me feel....It was just on old plywood boat....
(Fällt mir gerade ein, das würde ich auch mal gerne machen, mit einem Sportboot übers Wasser brettern :-) Leser: wenn ihr sowas habt, hier ist ein begeisterter Mitfahrer !!!
Eine kleine Verirr-Runde den Ort hoch- und runter, bis ich endlich ankomme....
Schnell eine Seelenmassage, ihr kennt sie ja nun schon :-)
Ach so, es gibt da rauf tatsächlich Radwege und die Fahrer lächeln auch noch beim hochfahren. Respekt !
Von Petra und ihrem Border- und Isirudel freudig begrüßt, der erste Kontakt mit unserem neuen Familienmitglied. Eindruck: eine echte Rotznase :-)
Mit freudigem Schwanzgewackel kommt die ganze Bande angesaust, um an meinen Hosen und Schuhen rumzuzoppeln.....
Zwischendurch durften meine beiden mit dem Tarawood-Rudel etwas laufen. Nach anfänglicher Skepsis fühlte sich Spike wie im Paradies: 4 Isiweiber und jede Menge Borderfrauen... Mein Grosser kam aus dem Beinheben nicht mehr raus....
Petras Hunde sind klasse, verspielt, freundlich und vor allem keine nervösen Dauerkläffer.
Die Zeit leider ein bisschen im Nacken, musste ich relativ früh wieder abzischen.
Heimreise nun über Deutschland, da ich von meinem S-Wurf die Socke in Karlsruhe noch besuchen wollte.
Zähfliessender Verkehr, an einem Autobahnschild steht Rheinfall. Ja, lieber Leser, ich komme gerade Richtung Schaffhausen.
Ein Ziel aus den 1000 places, befor you die, Planänderung, wir sind ja flexibel.
Wow, muss man gesehen haben. Na, erstmal 3,50 Euro abgelatzt für Parkgebühr.
Mit 3 Hunden, davon ein Welpe und eine Lukka hab ich die nähere Besichtigung gleich wieder verworfen und hab nur ein Bildchen (mit´m Handy) von oben gemacht.
Ich stehe neben ein paar nicht mehr ganz taufrischen Mopedfahrern, Blick nach dem Wasser.
Kommunikation : "Her uff, newer dir steht e jungi fraa." Ich dreh mich rechts rum, keiner da.
Guck ich links, steht da ein Mopedfahrer in der Unterhose. Ich rufe "mehr!" alles lacht.
Als der gute Mann dann in seiner Bux wieder drinsteckte, folgte natürlich ein kleines Plauderminütchen.
Sie kamen von Erfurth, der Wartburg. Konnte ich natürlich ein Loblied drauf singen, war besichtigt 2008. Wir verabschiedeten uns mit einer gegenseitigen "Guten Heimreise" :-)
Weiter gehts nun am hellichten und immer wärmer werdenden Tag mit Xavier Naidoo.
Der kann ja auch singen was er will, ich find alles klasse.
Wir haben allen Göttern abgeschworn und gehen für einen Herrn...
Ihr wisst nicht, wo der Himmel ist, er bleibt euch klar verborgen.... (Häh ? also der Himmel ist doch oben, oder ?) und natürlich zum laut mitgröhlen: ...meine Stadt holt ihren Mann heim, ganz egal, wo er auch ist, diesen Reim, schickt ihr der Mann heim, der sie so oft vermisst..... Poesie...
Die Sonne scheint mittlerweile erbarmungslos und ich zieh mal alles unnötige aus.
Am Grenzübergang noch ein kleines Hundegeplauder mit dem Beamten über Schäferhunde und weisse Schäferhunde :-)
Da ich ja ein bisschen unleidlich über die Schweiz war, hier noch was zur Wiedergutmachung:
Die haben ein unglaubliches Gemüt dort unten. Da ich mich desöfteren des Weges verirrt habe, musste ich dessentwegen auch ab und an die Richtung wechseln, um zurück zu kommen. Verkehrsbehindernde Wendemanöver kann man hier gefahrlos veranstalten. Wo sie einem hier in Deutschland die Axt in die Kühlerhaube gehauen hätten, zumindest aber hupen würden, weil du mal im dicksten Verkehr ein bisschen dämlich quer über 2 Fahrbahnen stehst, kriegste dort noch nett zugelächelt. (Gedanke vielleicht "Scheiss-Touris, aber die kann man gut abzocken ?" :-)
Kurzes Telefongespräch mit Sockes neuem Herrchen, machen wir noch einen
Abstecher nach Karlsruhe.
Islandpferdehof. Meine Isis und Spike fühlen sich direkt wohl, nettes Geplauder mit Herrn Osterlohe, knuddeln mit Socke (die jetzt Snaedis heisst) und ein Käffchen für mich.
Inzwischen ist Lukka verschwunden. Rennt mit den Islandpferden und den Reitschülern auf der Ovalbahn rum. Blamiert mich gründlich, dieses Luder ;-)
Übrigens schön anzusehen, wie diese fleißigen Pferdchen dort arbeiten. Hätte ich vielleicht auch mal gern eins geritten ?
Na ja, reite nicht gern fremde Pferde, habe meine eigene Art der Kommunikation mit den Zossen :-)
(... ab geht die Post... meine Araberin Rhea gibt dann aus dem Stand Gummi :-)
Noch 200 Kilometer nach Hause, ich muss mich verabschieden.
Musikalisch werd ich ein wenig unleidlich, Joe ist noch im Angebot. Ist mir jetzt ein bisschen lahm, also wieder gekrähe :-) Joo, es ist tatsächlich immer die selbe Platte :-).
Damit es nicht so glatt geht, gibt es ein Baustelle. Auffahrt zur Autobahn gesperrt.
Ich folge der Umleitung. Die führt ins Nichts. Halte an, frage völlig verwirrt auf das Schild zeigend: "ei do steht doch Umleidung, wieso gehts dann doo nett weider ?"
Baustellenarbeiter: "ei das iss nur fiier uns von de Baustell. Sie misse quer durch Pforzheim." Mittlerweile bin ich nun doch ein wenig abgenervt, es ist 18 Uhr. Ausserdem hab ich plötzlichen Heißhunger auf ein Grillhähnchen. Fliegt natürlich gerade nicht herum :-(
Esse Kokoszwieback und trinke Sprudel, kriege Sodbrennen. Ging mir schon mal besser.....
Halbe Stunde später endlich wieder Autobahn unter den Rädern und nun ohne weiteren Stopp ab ins Saarland. Ach ja, am Hockenheimring entschied ich mich gegen mein Navi, welches mich über Landau heimschicken wollte. Ich fahr Richtung Mannheim, Saarbrücken, entschied ich spontan. Navi addierte sofort 30 Kilometer mehr drauf.....
jaaaaauuuul
Auch der längste Weg geht mal zuende und nach 1023 Kilometern steh ich wieder vor unserer Haustür. Hundis versorgen, Gepäck raus und für die nächsten 10 Stunden ab auf die Matratze :-)

